Das untere Dantian im Qigong

Wo befindet sich das untere Dantian?

Stele mit chinesischen Figuren vor Felswand und roter Zaun
Dantian bedeutet übersetzt Zinnoberfeld: „dan“ für „Zinnober" oder „Elexier" und „tian“ für Feld. Die Bezeichnung für das untere Dantian ist „Xia Dantian" auf Chinesisch („xia“ = „unten"), also das untere Dantian oder Zinnoberfeld. Es befindet sich im Unterbauch. Man kann es sich ca. faustgroß vorstellen. In den verschiedenen Schulen wird die Lage unterschiedlich verortet. Zum Teil hat dies medizinische Gründe. Aus der Sicht mancher Ärzte besteht die Befürchtung, dass es durch eine Konzentration zu tief im Unterbauch zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen kommen könnte. Folglich nimmt man in diesen Fällen den Nabel als Orientierungspunkt für den Anfänger, da die meisten Menschen ein Gespür für ihren Nabel haben. Andere Lokalisierungen legen das Zentrum des Dantian etwa zwei fingerbreit unterhalb des Nabels bis hin zu ein bis zwei fingerbreit oberhalb des Schambeins fest oder umfassen mit dem unteren Zinnoberfeld den gesamten Unterbauch (vgl. Darga 2004, S. 90).

Meinung von Fachkräften zur Verortung des unteren Dantian

Die Ärztin Liu Yafei aus der in China renommierten Qigongklinik in Beidaihe nimmt den Punkt Qihai, „Meer des Qi“, 1,5 Proportionalzoll, kurz PZ, (entspricht dem zusammengelegten Mittel- und Zeigefinger) unterhalb des Nabels als Zentrum des Dantian, was bei der Größe einer Faust den Nabel („Shenque“, Mitte des Nabels) als sensiblen Punkt auf der Leitbahn Renmai und den Punkt Guanyuan, „Das erste der Passtore“, 3 PZ (Zeigefinger bis kleiner Finger zusammengelegt) unterhalb des Nabels einschließt (vgl. Liu 2008, S. 6). Die Chinesische Gesellschaft für Gesundheit und Qigong lokalisiert das Dantian 5 cm von der Mitte des Nabels aus abwärts (vgl. Chin. Ges. f. Gesundheit und Qigong 2010, S. 5). Bei mir sind dies 3 fingerbreit unterhalb des Nabels, was in meinem Fall einen optimalen Qifluss gewährleistet in der Ruheübung. Daher präferiere ich diese Lage.

Das Lebenstor, der Mingmen, steht mit dem unteren Dantian in Verbindung 

 Graphik rosa Figur auf grünem Grund

Am Rücken zwischen dem 2. und 3. Lendenwirbel um den Punkt „Mingmen“, Lebenstor, herum befindet sich ebenfalls ein energetisch relevanter Bereich, der mit den beiden Dantian in Verbindung steht. Der Mingmen ist der Ort an dem das Ursprungsqi („Yuanqi“), das vorgeburtliche Qi, gespeichert ist. Dies ist die Kraft, die alle Lebensaktivitäten antreibt. Insofern nimmt die Pflege dieses Bereiches im Qigong eine besondere Rolle ein. Ein üppiges Qi aus anderen Kraftquellen, wie Nahrung und Atmung, kann ein schwaches Ursprungsqi nicht ersetzen. Dieses ist die Grundlage. Durch Bewahrung der Vorstellungskraft im unteren Dantian und Mingmen wird das Ursprungsqi über Umwege gestärkt. (vgl. Liu 2008, S. 6 ff.)
Von den Bewegungsübungen (Daoyin) eignet sich das Dantian-Qigong, bei dem die Aufmerksamkeit die ganze Zeit über im unteren Dantian bleibt und die Bewegung sich auf diesen Bereich konzentriert, besonders zur Stärkung dieser energetischen Basis.


Dazu passt: Seminar 18 Tai Chi-Qigong, Video Dantian-Qigong, Schulter-Nacken-Set


Quellen
Darga, Martina: Zeitschrift f. Qigong Yangsheng 2004. Hrsg. Med. Ges. f. Qigong Yangsheng
Liu, Yafei: Innen Nährendes Qigong – Neiyanggong. München: Urban & Fischer 2008
Chinesische Gesellschaft für Gesundheit und Qigong: Yi Jin Jing. Übers. Liedtke, Dorian. Rödermark: CBT 2010 
Hempen, Carl-Hermann: dtv-Atlas Akupunktur. München: dtv 2013. 11. korr. Aufl.