Das untere Dantian im Qigong


Dantian bedeutet übersetzt „rotes Feld“: „Dan“ für rot und „Tian“ für Feld. Das untere Dantian heißt mit vollem Namen Xia Dantian. „Xia“ ist Zinnober, der im alten China etwas sehr wertvolles war. Deshalb wird dieses Energiezentrum auch Zinnoberfeld genannt. Im Unterbauch befindet sich dieses Dantian. Man kann es sich ca. faustgroß vorstellen. In den Schulen wird die Höhe der Lage unterschiedlich verortet. Zum Teil hat dies medizinische Gründe. Aus der Sicht mancher Ärzte besteht die Befürchtung, dass sich durch eine Konzentration zu tief im Unterbauch die Organe absenken könnten. Daher nimmt man in diesen Fällen den Nabel als Orientierungspunkt für den Anfänger, da die meisten Menschen ein Gespür für ihren Nabel haben. Andere Lokalisierungen legen das Zentrum des Dantians von zwei fingerbreit unterhalb des Nabels bis hin zu ein bis zwei fingerbreit oberhalb des Schambeins fest.

Die Ärztin Liu Yafei aus der in China anerkannten Qigongklinik in Beidaihe nimmt den Punkt Qihai, „Meer des Qi“, 1,5 Proportionalzoll, kurz PZ, (entspricht dem zusammengelegten Mittel- und Zeigefinger) unterhalb des Nabels als Zentrum des Dantians, was bei der Größe einer Faust den Nabel („Shenque“, Mitte des Nabels) als sensiblen Punkt auf der Leitbahn Renmai und den Punkt Guanyuan, „Das erste der Passtore“, 3 PZ (Zeigefinger bis kleiner Finger zusammengelegt) unterhalb des Nabels einschließt. (vgl. Liu 2008, S.6)
 Bild Dantian im Qigong
Am Rücken zwischen dem 2. und 3. Lendenwirbel um den Punkt „Mingmen“, Lebenstor, herum befindet sich ebenfalls ein energetisch relevanter Bereich, der mit den beiden Dantian in Verbindung steht. Der Mingmen ist der Ort an dem das Ursprungsqi („Yuanqi“), das vorgeburtliche Qi, gespeichert ist. Dies ist die Kraft, die alle Lebensaktivitäten antreibt. Insofern nimmt die Pflege dieses Bereiches im Qigong eine besondere Rolle ein. Ein üppiges Qi aus anderen Kraftquellen, wie Nahrung und Atmung, kann ein schwaches Ursprungsqi nicht ersetzen. Dies ist die Grundlage. Durch das Bewahren der Vorstellungskraft im unteren Dantian und Mingmen wird das Ursprungsqi über Umwege gestärkt. (vgl. Liu 2008, S.6 ff.)

Praxistipp Ursprungsqi + Atmung:

Zur Übung in Ruhe können die Handmitten übereinander auf das Dantian gelegt werden, klassisch Frauen die rechte Hand unten, Männer die Linke. Die beste Wirkung entsteht bei einer geraden Sitzhaltung, geradem Stehen oder Liegen, da ansonsten die Lunge nicht komplett beatmet wird. Die Aufmerksamkeit auf den Bereich des Dantian lenken und spüren, wie sich beim Einatmen die Bauchdecke hebt und beim Ausatmen die Bauchdecke senkt. Gedanken an andere Dinge lässt man ziehen. Diese Übung stärkt das Ursprungsqi, hat eine entspannende Wirkung und hilft die "Tiefe Bauchatmung" zu automatisieren, erhöht also auf längere Sicht das Atemzugvolumen.

Quellen
Liu, Yafei: Innen Nährendes Qigong – Neiyanggong. München: Urban & Fischer 2008
Hempen, Carl-Hermann: dtv-Atlas Akupunktur. München: dtv 2013. 11. korr. Aufl.