Weisheit der Woche


Der Schmetterlingstraum

„Einst träumte Dschuang Dschou, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und glücklich fühlte und nichts wusste von Dschuang Dschou. Plötzlich wachte er auf: da war er wieder wirklich und wahrhaftig Dschuang Dschou. Nun weiß ich nicht, ob Dschuang Dschou geträumt hat, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, dass er Dschuang Dschou sei, obwohl doch zwischen Dschuang Dschou und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist. So ist es mit der Wandlung der Dinge.“

Wilhelm, Richard: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland/Dschuang Dsi. München: Hugendubel 2002, S.52


Anders als bei Laozi gilt Zhuangzi (geb. um 365 v.Chr., gest. 290 v.Chr.)  als geschichtliche Person, als Verfasser, wenn auch nicht des gesamten Buches, so doch in Teilen davon.

Hier spielt Zhuangzi mit den verschiedenen Identitäten, einerseits im Wachzustand, der Realität oder dem, was wir dafür halten, und andererseits in der Wirklichkeit des Traumes. Beide Wirklichkeiten fühlen sich real an, was Zhuangzi durch die Ausschmückungen des Flatterns und Glücks im Traum hervorhebt. In beiden Daseinsformen weiß der Protagonist nichts vom anderen. Hinter diesem Text steht die Frage nach dem „Wer bin ich?“. Denkbar wäre ebenfalls, dass Dschuang Dschou weder er selbst noch der Schmetterling ist, da unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit grundsätzlich in Frage gestellt wird, ähnlich wie in Platons Höhlengleichnis. 
Die „Wandlung der Dinge“ spricht die permanente Bewegung, Veränderung und Entwicklung der Dinge an. In diesem Fall ist in Bezug auf die Persönlichkeit kein Bild eines stabilen, klar definierten Ichs vorgesehen.